Der Internationale Tag der Muttersprache

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Offizielles Plakat der Vereinten Nationen zum Internationalen Tag der Muttersprache am 21.02.2014

Heute, am 21.02.2014, ist der Internationale Tag der Muttersprache. Der "International Mother Language Day" wurde von der UNESCO im Jahr 2000 erstmals zum Gedenktag zur "Förderung der sprachlichen und kulturellen Vielfalt und Mehrsprachigkeit ("promote linguistic and cultural diversity and multilingualism") ausgerufen und seither jährlich begangen. Ein Gedenktag, dem leider in der breiten Öffentlichkeit viel zu wenig Beachtung geschenkt wird.

Denn von den ca. 6.900 Sprachen, die heute noch existieren, werden in weniger als 100 Jahren bereits knapp die Hälfte ausgestorben sein. Ganz pessimistische Schätzungen gehen hier sogar von 90% aus. Bereits jetzt verständigen sich 50% der Menschheit in einer der so genannten großen Sprachen, zu denen Chinesisch, Englisch, Spanisch, Arabisch oder Deutsch gehören. Die andere Hälfte spricht eine andere Muttersprache: Hierzu zählen so "exotische" Sprachen wie die Sprache der Yutí in Kolumbien, einer 600 Personen zählenden indigenen Gruppe, oder Lau (Solomonen-Inseln), das 1999 noch von knapp 17.000 Sprechern gesprochen wurde.

Doch auch hierzulande gibt es eine Sprache, die vom Aussterben bedroht ist: Das in der Niederlausitz gesprochene Niedersorbisch (Dolnoserbski), eine westslavische Sprache.  Hier wurde man bereits - ganz im Sinne der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen des Europarats von 1993, die den Schutz und die Förderung von Regional- und Minderheitensprachen in der EU vorsieht - aktiv: Am Niedersorbischen Gymnasium in Cottbus wird Sorbisch als zweite Fremdsprache gelehrt, und somit ein Beitrag dazu geleistet, dass diese Sprache und auch die sorbische Kultur erhalten bleibt. Ein Beispiel, das weltweit im wahrsten Sinne des Wortes Schule machen sollte - denn jede Sprache enthält die "Vorstellungsweise eines Theils der Menschheit"*, wie Wilhelm von Humboldt 1836 schrieb.  Noch stirbt jedoch weltweit alle zwei Wochen eine Sprache und somit eine Kultur aus. Und auch ein Gedenktag wie der heutige wird daran nichts ändern, wenn die allgemeine Bevölkerung ihn nicht wahrnimmt und keine entsprechenden weltweiten verpflichtenden Maßnahmen zur Dokumentation und zum Erhalt solcher vom Aussterben bedrohter Sprachen ergriffen werden.

 

*Wilhelm von Humboldt (1836): "Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaues und ihren Einfluss auf die geistige Entwickelung des Menschengeschlechts".